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Haltungsberichte
Jens auf pipidae.de
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Erfahrungen mit der Haltung von Xenopus und Silurana
von Jens Stolz (stolz.jens@web.de)
Xenopus-Krallenfrösche sind skurile und interessante Beckenbewohner. Durch ihr
gefräßiges Wesen ist es Aquarianern nicht zu verübeln, das diese die zumeist albiontischen Jungfrösche,
wieder los sein wollen nachdem diese den Fischbestand des Gesellschaftsbeckens bis auf ein Minimum
reduziert haben.
Hier sein nochmals darauf hingewiesen:
Mir sind in ca. 20 Jahren noch keine albiontischen Hymenochirus-Arten angeboten worden.
Albino-Fröschchen sind mit höchster Wahrscheinlichkeit Xenopus-Arten. Wer gezielt Hymenochirus-Arten
kaufen möchte, sollte unbedingt auf die Schwimmhäute zwischen den Fingern der Vorderfüße achten.
Xenopus laevis (die am häufigsten angebotene Xenopus-Art) hat definitiv KEINE Schwimmhäute an den
Vorderfüßen!
Die Hauptverhaltensweisen lassen sich auf Fressen, Fortpflanzung und Larvenstadien einteilen.
Fressverhalten:
Je nach dem welche Art von Futter den Fröschen geboten wird können unterschiedliche
Verhaltensweisen bei der Futteraufnahme beobachtet werden. Wird Futter im Becken gewittert,
werden aus den zuweilen trägen Gesellen aufgeregt umherschwimmende Räuber. Bei stark riechendem
Futter kann deutlich eine verstärkte Durchblutung der hinteren Schwimmhäute und mancher Hautpartien
festgestellt werden. Das Futter wird mit einem "Fress-Stoß" aufgenommen, wobei der Frosch sich
durch seine kräftigen Beine und die verhältnismäßig großen Schwimmfüße nach vorne katapultiert
und das Futter schnappt. Dabei kommt es nicht selten vor, das auch Steine oder Pflanzen im
Xenopus-Maul landen, die dann fachgerecht mit den schwimmhautlosen Vorderfüßen aussortiert werden.
Große Beutestücke werden mit den Vorderfüßen ins Maul nachgeschoben oder mit den Krallen der
Hinterfüße entsprechend bearbeitet.
Werden lebende Fische verfüttert, so lauern die Frösche bis ein Fisch in Reichweite ist um diesen
dann ebenfalls mit einem Fress-Stoß zu überwältigen. Gelegentlich schwimmen sie Ihren Opfern auch
mit kurzen "Schwimm-Stößen" hinterher, wobei die Frösche nicht besonders ausdauernd sind.
Interessanter gestaltet sich die Nahrungsaufnahme der Teichsticks oder von auf der Wasseroberfläche
treibenden Insekten. Dieses Verhalten kommt der natürlichen Verhaltensweise der Frösche am nähesten.
Die Frösche lauern flach unter der Wasseroberfläche treibend, die Vorderfüße nach vorn gestreckt,
"Daumen und Zeigefinger" aus dem Wasser gestreckt, auf Beute. Die halbkugeligen Augen haben dabei
alles auf und über der Wasseroberfläche im Blick. Auf den Wasser schwimmendes Futter wird
angeschwommen und in das Froschmaul geschaufelt.
Meine Silurana tropicalis-Individuen zeigen sich bei dieser Art der Nahrungsaufnahme als äußerst
erfolgreiche Jäger. Diese Frösche sind mit Bombina orientalis vergesellschaftet und legen bei der
Jagd nach Grillen mehr Temperament und Geschicklichkeit an den Tag als man den Fröschen zutraut.
Angaben zum Paarungs- und Laichverhalten und den Larvenstadien siehe Kapitel Vermehrung und Aufzucht.
Sicherlich bieten diese Xenopus-Arten noch mehr interssante Verhaltensmuster, die man selbst
beobachten sollte oder in der Literatur nachrecherchieren kann.
Meine Beckeneinrichtung:
Für die "großen Krallenfrösche" gilt im Prinzip das Gleiche wie bei den Zwergkrallenfröschen:
Sie stammen aus Afrika und benötigen deshalb eine Wassertemperatur von ungefähr 24-26 °C.
Bei mir fühlen sich die Frösche auch bei deutlich tieferen Temparaturen noch wohl, weshalb
ich die Aquarien nicht gesondert heize (18-24°C). Die afrikanischen Tümpel unterliegen dank starker
Sonneneinstrahlung starken Temparaturschwankungen welche die Frösche problemlos überstehen. Auch die
Xenopus-Arten leben vollaquatisch und wandern nur bei Austrocknung des Gewässers, jedoch scheint mir
die Gefahr einer Flucht aus dem Becken mir erhöhter Bewegung bei der Futtersuche und evtl. "Wandertrieb".
Für die Einrichtung eines Xenopus-Beckens ergeben sich folgende Mindestanforderungen:
- Wassertemperatur 18°C bis. 26°C
- kein spezielles, extra aufbereitetes Wasser notwendig (jedoch sollte KEIN
reines Regenwasser oder frisches (chloriertes) Leitungswasser verwendet
werden)
- der Wasserstand im Becken kann und sollte auch möglichst hoch sein; bei
großen Becken kann ein Sicherheitsabstand von ca. 10cm die Fluchtgefahr
verringern
- auf einen Bodengrund verzichte ich, damit man das Becken leichter reinigen
kann
- Bepflanzung in einem Xenopusbecken ist ein ewiger Diskussionspunkt: Ich
verwende in meinem Becken mit Cryptocorynen bepflanzte Standard-Tontöpfe
mit ca 13 cm Durchmesser. Diese lassen genügend Versteckmöglichkeiten und
Abstand vom Boden, so dass die Pflanzen nicht übermäßig durch die Krallen
beschädigt werden. Kleine Schwimmpflanzen auf dem Wasser halte ich für
nicht besonders geeignet, da diese beim Füttern von den Fröschen mit
aufgenommen und wieder "aussortiert" werden. Große Schwimmpflanzen
können sehr dekorativ sein und werden gerne von den Fröschen als
"Ruheplatz und Beobachtungsplatz genutzt" . Unterwasser-Schwimmpflanzen
halte ich ebenfalls nicht für sonderlich geeignet, da die größeren Arten bei
hektischen Schwimmbewegungen beschädigen und die Pflanzen meist die
Filter verstopfen!
- Versteckmöglichkeiten bieten die ins Becken gestellten Pflanzentöpfe
- eine künstliche Beleuchtung ist, abhängig vom Standort des Beckens, nur dann
notwendig, wenn das Becken bepflanzt ist. Für Nachzuchten spielt meines
Erachtens ein natürlicher Licht- und Temperaturverlauf eine größere Rolle
- Filterung der Becken sind unerlässlich, da vor allen die größeren Arten
entsprechend viel Belastung für das Wasser darstellen; Außenfilter sollten
UNBEDINGT einen geschützten Ansaugstutzen haben da die Frösche sonst mit
den Gliedmaßen in den Filter gesaugt werden können und dann ertrinken
(neben schwersten Verletzungen bei den Tieren führen kann). Innenfilter
sollten gemieden oder entsprechend auf Fluchtmöglichkeiten untersucht
werden. Ebenso sind die Schläuche der Außenfilter so zu verlegen das die
Frösche nicht entkommen können (ich fülle die Zwischenräume zwischen
Schlauch und Glasdeckel mit Filterwatte auf).Futterreste am besten täglich
entfernen. Regelmäßiger Teilwasserwechsel ist selbstverständlich!
- das Becken sollte relativ dicht abgedeckt sein und trotzdem einen
Luftaustausch besitzen, in den meisten Fällen ist eine Abdeckung notwendig.
Generelles zur Beckeneinrichtung:
- Krallenfrosche können sich hinter Innenfiltern oder ähnlichem einklemmen;
Heizstäbe sollten auf mittlerer Beckenhöhe quer eingebaut werden, damit sich
keine Frösche unter den Heizstab verstecken (kann zu Verletzungen führen)
- sie können in den Ecken des Aquariums empor springen und so aus dem
Becken entweichen
- sie können auch durch eventuell vorhandene Öffnungen in das Innere von
Innenfiltern eindringen und dort entkräftet ersticken oder verhungern, oder
über Innenfilter entkommen
Futter für Xenopus:
Xenopus-Arten sind, wie alle adulten Froschlurche, durch und durch Carnivore
(Fleischfresser). Meist sind diese Arten permanent mit der Futtersuche beschäftigt
und fressen alles was Ihnen ins Maul passt. Hierbei sind die Krallenfrösche nicht
besonders wählerisch und fressen sehr lebhaft größere Mengen, was das Füttern
relativ einfach macht. Dies soll jedoch nicht zu einseitiger Ernährung und
Überfütterung verleiten.
Generell ist in Gefangenschaft dem Bewegungsdrang Grenzen gesetzt, wodurch
auch die Ernährung entsprechend angepasst sein sollte. Bei mehreren Individuen
sollte man darauf achten, dass alle Tiere (vor allen die kleineren) ausreichend mit
Futter versorgt werden, was am gezieltesten mit einer Pinzette gemacht werden
kann. Nicht verzehrtes Futter (was sehr selten vorkommt) sollte nach dem
Füttern aus dem Becken entfernt werden.
Bei den Futtermenüs heisst es vor allem "je abwechslungsreicher desto besser".
Hier kann entsprechend Saison und eigenen Erfahrungen ein vielfältiger
Speisezettel geboten werden.
Meine Erfahrungen zum Thema Futter:
- Würmer: vor allen Tauwürmer (keine Dentrobena, die haben ein
übelschmeckendes Sekret!!!); die Größe sollte den Fröschen angepasst sein -
als Daumenwert sollte die Würmer etwa so lang sein wie die Körperlänge des
Frosches (es werden aber auch beträchtlich längere verschlungen!).
- Raupen und Wachsmaden
- alle möglichen Insekten ("Wiesenplankton")
- Grillen und Heimchen
- Lebende Fische (Guppies, kleine Orfen und Köderfische) passender Größe
- Mehlwürmer (wenn diese nicht übermäßig verfüttert werden)
- Frostfutter aller Art
- Stinte (gefrorene Fische für Schildkröten und Raubfische in Aquarium)
- kleine Rinderherzstreifen (wirklich nur kleine, denn diese quellen im Wasser
meist noch etwas auf)
Was ich nicht verfüttere:
- Tubifex, Schwarze und Rote Mückenlarven, da diese meist aus stark belasteten
Gewässern kommen und bei einseitiger Ernährung zu Krankheiten führen
können
- Nacktschnecken, da diese meist sehr viel Schleim entwickeln und die Frösche
Probleme beim Schlucken haben
Was ich als Ergänzungsfutter noch empfehlen kann:
- Teichsticks der Firma TETRA: Diese enthalten neben zahlreichen Vitaminen
und Spurenelementen auch Kalzium und Magnesium, sowie Balaststoffe. Die
Tetra-Teichsticks (oder Goldfisch/Koi-Sticks) schwimmen auf der
Wasseroberfläche und werden von den Fröschen von der Wasseroberfläche
gesammelt. Dieses Verhalten entspricht Ihrem natürlichen Verhalten und
Fressgewohnheiten. Die Tetra-Sticks trüben auch das Wasser nicht (was ich
von anderen Herstellern nicht sagen kann!). Es gibt auch Pellets für Reptilien
die auch bedingt eingesetzt werden können.
Generell sollte man versuchen bei jeder Mahlzeit möglichst viel Vitamine und
Mineralstoffe zu verfüttern. Ich vitaminisiere mein Futter mit NEKTON REP und
anderen Präperaten.
Die, wie ich meine, beste deutschsprachige Bezugsadresse von Lebendfutter ist
kerf.de.
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